5. ordentliche Delegiertenversammlung Jürgen Kerner fordert offensive Industriepolitik und Investitionen in die Infrastruktur

Am 20. März 2025 fand im Vereinshaus in Fraulautern die 5. Ordentliche Delegiertenversammlung der IG Metall Völklingen statt. Begrüßen durften wir den 2. Vorsitzenden der IG Metall, Jürgen Kerner, der mit einem Impulsreferat zu den Delegierten sprach.

Delegiertenversammlung

21. März 2025 21. März 2025


Ralf Cavelius, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Völklingen, eröffnete die Delegiertenversammlung und begrüßte die rund 100 Delegierten aus den regionalen Betrieben.

In seinem Impulsreferat ging Jürgen Kerner, 2. Vorsitzender der IG Metall, zunächst auf den Aktionstag am 15. März 2025 ein. Bundesweit gingen 81.000 Menschen auf die Straße. „Ein riesiges Dankeschön geht an alle, die daran mitgearbeitet haben, dass unser Aktionstag ein Erfolg wird. Die Beteiligung war klasse, besonders aus dem Saarland. Die Politik hat sehr wohl registriert, was am 15. März 2025 in Frankfurt, Leipzig, Köln, Stuttgart und Hannover stattgefunden hat“, so Kerner.

Viele Arbeitgeber haben die gemeinsame Gestaltung des Wandels hin zu klimaneutralen Industrien aufgekündigt. Immer mehr stellen sich nicht mehr den gestalterischen Herausforderungen. Stattdessen versuchen sie Gewinne zu optimieren, d.h. Arbeitsplätze abbauen und verlagern, um auf die vermeintlich schrumpfende Nachfrage zu reagieren, statt auf Innovation und damit auf Wachstum zu setzen. Deutschland verliere jeden Monat bis zu 10.000 Arbeitsplätze. „Dafür gebe es zahlreiche Gründe: In der Vergangenheit sind teure Management-Fehler gemacht worden, es fehle an nachhaltigen Strategien für absehbare Veränderungen auf dem Weltmarkt, eine schwächelnde Konjunktur sowie die Versäumnisse der Politik gehören auch zur Wahrheit dazu“, erläuterte Kerner.

Die Lage in unseren Betrieben und Branchen sei, auch ohne die neuen US-Zölle, sehr ernst.

Ähnlich bedrohlich ist die Situation auf dem Stahlmarkt. Eine Bilanz aus 2024 zeigt: Die deutsche Rohstahlproduktion 2024 beendet das dritte Jahr in Folge unter der avisierten Marke von 40 Mio. Tonnen. Die Prognosen von Worldsteel 2025 zeigen auf eine leichte Erholung (+1,2 %) hin, allerdings regional sehr unterschiedlich. Die Stahlproduktion in Europa sei weiterhin rückläufig. Die Stahlindustrie braucht dringende Unterstützung aus der Politik, beispielsweise mit einer kostengünstigen und sicheren Energieversorgung sowie grüne Leitmärkte.

In seinem Geschäfts- und Kassenbericht ging Lars Desgranges, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Völklingen, auf die aktuelle Situation in den Betrieben ein.

Die neusten Meldungen um Ford sind bedenklich. Der US-Autobauer hat die seit 16 Jahren bestehende Patronatserklärung für die deutschen Ford-Werke aufgekündigt. Durch diese Vereinbarungen war es in der Vergangenheit so, dass die Mutter anfallende negative Ergebnisse ausgeglichen hat. Da alle wesentlichen strategischen Entscheidungen des Konzerns in den USA fallen, war dies ein Schutzschirm, dass deutsche Beschäftigte nicht für Fehlentscheidungen aus den USA direkt haften. Mit dem neuen Finanzierungsmodell der Ford-Werke stellen sich nun viele offene Fragen, die die Geschäftsführung zu beantworten hat. Der Betriebsrat hat die Geschäftsleitung aufgefordert, die offenen Punkte dringend mit der Mitbestimmung im positiven Sinne zu besprechen und zu klären. Erschwerend kommt hinzu, dass ein erneuter Personalabbau von 2.900 Stellen in Köln geplant ist. „Der Kampf um Ford ist noch nicht zu Ende, er geht in die nächste Runde“, so Desgranges.

Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation plant der Saarstahl-Vorstand tarifvertragliche Abweichungen mit der IG Metall zu verhandeln. Auf einer außerordentlichen Betriebsversammlung erklärte der Vorstandschef Rauber den Beschäftigten, dass die bereits im vergangenen Jahr vorgenommenen Einsparungen, aufgrund der veränderten Weltlage, nicht mehr ausreichend seien. Saarstahl befinde sich in einer existenzbedrohenden Krise, sodass auch Standortschließungen und Kündigungen nicht ausgeschlossen werden könnten. Um weitere Kosten zu senken, will das Unternehmen mit der IG Metall, Tarifverhandlungen für die nächsten drei Jahre führen. Allein im Jahr 2025 sollen so 40 Millionen Euro eingespart werden. In den Folgejahren seien 30 bzw. 20 Millionen Euro Einsparung notwendig.

Am Ende werde ein Mitgliedervotum der IG Metall-Mitglieder entscheiden, ob und welche Eingriffe man in den bestehenden Tarifvertrag zulasse. Diese Vorgehensweise wurde von Lars Desgranges als auch dem Konzernbetriebsratsvorsitzenden Stephan Ahr noch einmal verdeutlicht. Das wichtigste Ziel ist und bleibe der Erhalt der Saarstahl AG und der saarländischen Stahlindustrie. Hierzu muss es sowohl eine Standort- als auch eine Beschäftigtensicherung geben.

Im Stahlwerk in Bous hat sich die Situation binnen weniger Wochen drastisch zum negativen entwickelt. Die Georgsmarienhütte (GMH) will den Standort in Bous verkaufen und sucht aktuell einen Investor. Findet man keinen Investor, ist eine Schließung möglich und wahrscheinlich. „Klar ist eins, Betriebsrat und IG Metall werden hier alles versuchen, um den Standort langfristig zu sichern“, erklärte Desgranges.

Auch im Jahr 2025 stehen Tarifrunden auf der Tagesordnung der IG Metall. Neben der Textil- und Bekleidungsindustrie, die aktuell in vollem Gange ist, läuft der Tarifvertrag Ende März im saarländischen KFZ-Handwerk aus. Ende des Jahres wird dann die Tarifrunde der Eisen- und Stahlindustrie im Saarland beginnen.

Zudem wurde Anfang März ein Verhandlungsergebnis zur Übernahme des Tarifabschlusses der Metall- und Elektroindustrie aus dem November 2024 bei Nemak in Dillingen erzielt. Neben der Übernahme der Entgeltverbesserungen, konnten auch Verbesserungen für den Tarifvertrag T-ZUG erzielt werden.

Bereits im Januar 2025 wurde für die über 300 Kolleginnen und Kollegen bei Homanit in Losheim ein neuer Entgelttarifvertrag erreicht. Um insgesamt 6,4 Prozent steigen die Löhne, Gehälter und Auszubildenden-vergütungen in den nächsten 24 Monaten. 2,9 Prozent gab es bereits zum 1. Januar 2025. Weitere 3,5 Prozent gibt es ab dem 1. Januar 2026.